Geschichte

Gründung

Im Jahre 1985 trafen sich 5 Frauen, mit dem Anliegen, für die Mal- und Gestaltungstherapie ein öffentliches Gefäss zu finden. In der Sternwarte Bern hatte eine Gruppe Kunsttherapeutinnen ihre Bilder zu einer kleinen Ausstellung zusammen getragen. Diese Aktivität finanziell zu unterstützen war die erste Aufgabe des neu gegründeten Fachverbandes. Damals trug man noch den Namen Mal- und Gestaltungstherapie, weil Kunsttherapie eher als unbescheiden erlebt wurde. Dann stellte sich 1986 die Gestaltende Psychotherapie und Kunsttherapie als elitärer Verband in den Kulturraum. Wir wären gerne mit diesem Verband in Zusammenarbeit getreten, aber unsere Mitglieder erfüllten die akademischen Voraussetzungen nicht. So hat sich im Laufe der Jahre in unserem Verband FKG, jetzt Fachverband für Kunst- und Gestaltungstherapie, eine Richtung der Kunsttherapie heraus kristallisiert, die sich eher nach tertiär ausgebildeten und kunsthandwerklich orientierten Menschen und deren Bedürfnissen ausrichtete.

Konkurrenzierung

In den unterschiedlichen Berufsfeldern unserer Mitglieder zeigten sich immer mehr Konkurrenzierungen und Ansprüche von Psychotherapeuten, Psychologen und Ärzten, die eine methodenfreie Kunsttherapie in Frage stellten. Vor allem das Wort Therapie war ausschlaggebend, sodass der Fachverband sich zu einem Untertitel entscheiden musste: Schweizerische Gesellschaft für Integration und Beratung durch Malen und kreative Gestaltung. Man erhoffte sich dadurch, eine Klärung der Ansprüche. Die therapeutische Wirksamkeit der künstlerischen Tätigkeiten ohne psychotherapeutische Methoden oder medizinische Heilmittel-Erwartungen wurde trotzdem sichtbar durch das Wesen der Kunst und deren Wirkung im Menschen. Die Instrumentalisierung der Kunst durch Psychologie oder Erwartungen der Medizin wurden eher zum Hindernis der Kunsttherapie: die Absicht und das künstlerische Produkt liessen den Klienten verstummen, liessen ihn allein auf sich selbst angewiesen.

Interessenkonflikt

Die Verbandsgründerinnen standen alle in Verbindung mit dem Menschenbild der Anthroposophie. Sie erlebten durch ihre Ausbildung die Verbindungsqualität des Menschlichen im künstlerischen Tun. Sie strebten ethisch eine Kunsttherapie an, die sich von diesem Menschenbild des Lebendig- Geistigen getragen und durchdrungen fühlte. Diesem Streben kam eine Politisierung und Reglementierung als Widerstand entgegen. Viele Kunsttherapeutinnen anderer Richtungen strebten einen Markt, eine Berufssicherheit und eine Existenzsicherung an. Dies widerspricht den Gesetzen des Sozialen wie auch der Kunst. Noch nie hat Kunst oder Soziales Geld erwirtschaftet. Seit Urzeiten hat Kunst und Soziales Geld gekostet und von den Tätigen in diesen Feldern Opfer und Selbstlosigkeit gefordert! Diese Forderungen im kulturellen Raum prägten nun neu die Berufswelt des Kunsttherapeuten. Das Gesundheitswesen wurde involviert und benutzt. Das Bildungswesen wurde instrumentalisiert und das Sozialwesen angezapft.

Freiheit

So entstand in unserem Verband die Frage: ist die Kunsttherapie für den Menschen, den Leidenden da oder braucht der Kunsttherapeut das Gesundheitswesen, das Bildungswesen und das Sozialwesen für seine Existenzberechtigung? In der Beantwortung dieser Fragen begann im Verband ein Rückzug auf die inneren Auseinandersetzungen mit den ethischen Bedingungen der Wirkungen von Kunsttherapie. Die Verbandsmitglieder entschlossen sich zum Weg der Zurückhaltung, zur freien Selbstentscheidung und zur Treue gegenüber dem ersten Menschenbild, das die Grundlage des Verbandes bei seiner Gründung war. Insofern enthält sich der Verband bis auf den heutigen Tag, den politischen Ambitionen auf Existenzsicherung, Regelungen in politischen Systemen und Methodengläubigkeiten. Er stützt sich auf Wahrnehmungen der Qualität, Reifung der Therapeutenpersönlichkeit, Forschungen, und  Kriterien einer freien ganzheitlichen Kunsttherapie. Diese Werte sind sichtbar in den Aktivitäten des Verbandes, der Zeitschrift Kunstschritte wie auch in Verbandsgesprächen unter den Mitgliedern. Die Mitglieder treffen sich nebst den angekündigten, allgemeinen Verbandstätigkeiten, in eigenen, selbstverantwortlichen Regionalgruppen. Sie führen sich dort frei und selbstbestimmt.